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Die Geschichte der Schlösser und Beschläge (Quelle: Türschloß und Beschlag von Fr. W. Schlegel, erschienen 1952, beim Carl Lange Verlag - Duisburg) Es gibt wohl keinen Gegenstand menschlichen Schöpfergeistes, dessen Geschichte
so interessant und farbig zugleich wäre, wie die der Schlösser und Beschläge.
Das ist keine Zufälligkeit, denn Schloß und Beschlag unterliegen zwei großen
Gesetzmäßigkeiten: ![]() Das ägyptische Schloss ist vermutlich das älteste Schloss der Welt. Es ist vollständig aus Holz und es gibt heute noch funktionstüchtige Exemplare. Der Schlüssel mußte seitlich eingeführt, angehoben und wieder herausgezogen werden. Durch das Anheben geben die Klötzchen den Riegel frei und er wird mit herausgezogen. Einer der wichtigsten Leitsätze der menschlichen Technik aber ist
es, durch unermüdliches Schaffen das menschliche Dasein immer bequemer
zu gestalten. Die Aufgabe, leichter zu öffnende Schlösser zu
entwickeln, wurde schließlich durch die Erfindung des sogenannten
Bartschlüssels gelöst, der heute noch die Grundform der gebräuchlichen
Türschlüssel ist, und der schon frühzeitig den Chatakter
eines Symbols erhielt.
Die aus dem Sachsenspiegel, einer altdeutschen Rechtssammlung,
stammende Abb. 6 zeigt links den Kaiser, der durch Schwert und Zepter
charakterisiert ist, und rechts den heiligen Petrus, der einen neuen Papst
durch Übergabe des Schlüssels mit der "potestas clavium"
betraut. Die ebenfalls aus dem Sachsenspiegel stammende Abb. 7 versinnbildlicht
die Verleihung eines Kirchen-Lehens, der Rechtsakt wird hier durch die
Übergabe des Kirchenschlüssels dargestellt. Diesen symbolischen
Rechtscharakter hat der Schlüssel bis heute beibehalten. Die erfolgreiche
Belagerung einer Stadt fand durch die Übergabe des Schlüssel
der bezwungenen Stadt an den Sieger ihren symbolischen Abschluß.
Lockcontroversy 1851 fand in Chikago die Lockcontroversy - eine Schloßausstellung
- statt, zu der die englischen und amerikanischen Firmen ihre Sicherheitsschlösser
ausgestellt hatten. Die englische Firma Chubb hatte einen Preis ausgesetzt
für den, dem es gelänge, ihr bis dahin als aufsperrsicher geltendes
Schloß zu öffnen. Der Amerikaner Hobbs verdiente sich diesen
Preis, und das nach ihm benannte Hobbsche Öffnungsverfahren begann
in der Schloßtechnik eine entscheidene Rolle zu spielen. Hobbs versuchte
sich selbst in eigenen Konstruktionen, die die Anwendung seines Öffnungsverfahrens
ausschließen sollten. Das erste Zylinderschloß Dem genialen Vater folgte eine Seltenheit in der Generationsfolge, ein
ebenso genialer Sohn. Linus Yale jun. griff das alte Fallriegelprinzip
wieder auf und schuf in den Jahren 1860-65 unter Weiterentwicklung der
vom Vater erstmalig verwendeten Stiftzuhaltungen das Sicherheits-Zylinderschloß
(siehe Bild unten) mit hintereinander angeordneten Sperrstiftpaaren, das
eine völlig neue Epoche auf dem Gebiet der Sicherheitsschlösser einleiten
sollte.
Die deutsche Schloßindustrie 1855 wurde in Velbert durch Joh. Peter Engels die erste Tempergießerei gegründet. Durch die allmählich steigende Erzeugung des Tempergusses wurde die Herstellung der Schloß-Einzelteile durch Schmieden immer unwirtschaftlicher. Durch die im Rhein-Ruhr-Gebiet stärker anwachsende Schwerindustrie und die damit gegebene allgemeine Verwendung von gewalzten Blechen wurde die Voraussetzung für die Schloßindustrie geschaffen. In der sogenannten Gründerzeit von 1872 an enstanden die ersten Fabriken zur industriellen Herstellung von Schlössern. Die erste im Jahre 1880 in Düsseldorf stattfindende Ausstellung der Velberter Schloßhersteller machte dem Namen Velbert zum erstenmal im In- und Ausland weiten Kreisen bekannt. Diese Anerkennung stärkte das Selbstbewußtsein und den Wagemut der Velberter Hersteller. Die Stadt Velbert und das benachbarte Heiligenhaus entwickelten sich in kurzer Zeit zum Zentrum der deutschen Schloßindustrie. Hatte sich die Velberter und Heiligenhauser Industrie aus dem durch Verleger betreuten Heimarbeitergewerbe zur Industrie entwickelt, so hat die in Sachsen entstehende Schloßindustrie ihren Ursprung im Handwerksbetrieb, der sich allmählich zum Industriebetrieb vergrößerte.
Das Tourschloss
Diese Abbildung zeigt die Grundform des Tourschlosses. Schlüsseltour ist der Fachausdruck für das durch eine volle Schlüsselumdrehung verursachte Verschieben des Riegels. Nach dem 30 jährigem Krieg war der französische Kultureinfluß auch in Deutschland vorherrschend. Man schämte sich seiner deutschen Muttersprache, und es gehörte zum guten Ton, sich der französischen Sprache zu bedienen. Durch die Bezeichnung der Schlüsselumdrehung mit dem französischem Begriff "Tour" wurde das Tourschloß in Zunftkreisen und der Praxis das "Französische Schloß" genannt und rückwirkend wurde zur Unterscheidung das bis dahin gebräuchliche Schappschloß mit Eingerichte das "Deutsche Schloß" genannt. Noch heute erinnert in Velbert der für kalt gewalzten Federndraht verwendete Begriff "Franzen-Feder-Draht" an diese Zusammenhänge, obwohl inzwischen für das Tourschloß die Bezeichnung "Französisches Schloß" längst vergessen wurde. (Quelle: Türschloß und Beschlag von Fr. W. Schlegel, erschienen 1952,
beim Carl Lange Verlag - Duisburg)
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